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Lieber (alter) Freund und Kupferstecher!

Du sympathisches Schlitzohr!

Aus den Gravuren der Goldschmiede entwickelte sich der Kupferstich als eines der frühesten grafischen Verfahren der Neuzeit. Der erste belegte Kupferstich datiert von 1445. Mit der Verbreitung des Buchdrucks erlebte der Kupferstich als illustratives Element einen Aufschwung. Im 17. Jahrhundert erhielt der Kupferstich eine zusätzliche Aufwertung als Kunst- bzw. Sammelobjekt, was dazu führte, dass die Kupferstecherei zu einem eigenständigen lukrativen Handwerk wurde. Die Einführung des Papiergelds erhöhte die Bedeutung des Kupferstichs weiter: Denn vor der Erfindung des Stahls und damit des Stahlstichs, konnten nur in Kupfer die unglaublich feinen und damit fälschungssicheren Matrizen gestochen werden, von denen die Geldscheine gedruckt wurden. „Mein lieber Freund und Kupferstecher“, so sprach der Dichter Friedrich Rückert (1788-1866) Carl Barth – wohl ohne einen Hintergedanken – in einem Brief an. Denn dieser war sowohl sein Freund als auch ein Kupferstecher. Dies ist wohl der erste schriftliche Beleg dieses Wortpaars. Doch bei diesen hochangesehenen Handwerkern war jedoch nicht alles Gold, was glänzte: So manch einer betätigte sich als Fälscher. Als Laie war es damals schon schwierig, Original und Fälschung zu unterscheiden, so begegnete man dem Kupferstecher mit gemischten Gefühlen. Bei „Alter (oder lieber) Freund und Kupferstecher“ schwingt sowohl Anerkennung als auch Misstrauen mit. Dies ist eine recht plausible Erklärung für den eher negativen Beigeschmack dieser Redensart. Auch in dem immer noch geläufigen Verb „abkupfern“ für nachmachen, kopieren steckt dies mit drin. Doch auch Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel“ von 1892 gilt mit dem Zitat „Das hat so sein sollen, Freund und Kupferstecher; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Tag“ als Ursprung dieser zweideutigen Anrede.

Von:Edelfeder

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