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Mulus-Zeit

Zeit der Selbstfindung

Endlich ist das Abi geschafft! Und nun? Studieren, wenn ja was und wo? Au pair? Jobben? Freiwilliges soziales Jahr? Oder, oder, oder… Die ungewisse Zeit nach dem Gymnasium war für Abiturienten auch vor 100 Jahren und mehr schon ein Thema, denn damals wie heute erstreckte sie sich nicht selten über mehrere Jahre. Die Studentensprache prägte daher einen eigenen Ausdruck dafür: Muluszeit. Mulus ist Latein und heißt Maultier – wohl fühlten die jungen Leute sich nicht mehr als Esel, aber auch noch nicht als Pferd. Diese Phase des In-der-Luft-Hängens inspirierte insbesondere die Dichter der Romantik. So betitelte zum Beispiel Jean Paul seine Jugenderinnerungen: „Fragmente aus meiner Muluszeit“. Fazit: Dieser Begriff ist wirklich ausgestorben, wobei der Tatbestand der Muluszeit weiterbesteht. Die Aussetzung der Wehrpflicht und das G8 tragen zur weiteren Ausbreitung bei. Viele Abiturienten gleichen das eingesparte Schuljahr mit ein bis drei Jahren „Abhängen“ wieder aus. Und so mancher Muli, aus dem seinerzeit ein armer Poet geworden wäre, mutiert heute zum lebenslangen Taxifahrer.

Von:Edelfeder

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