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Katzenmusik

Kakophonisches Spottlied

Wenn im 19. Jahrhundert die Studenten einem Politiker oder Professor ihren politischen Unmut kundtun wollten, brachten sie ihm des Nachts ein ohrenzerreißend scheußliches Ständchen. Dass eine nervtötende unharmonische Musik Katzenmusik genannt wird, erscheint plausibel, wenn man an die nächtlichen Schreie einer rolligen Katze denkt. Auch Goethe spöttelte schon dichtend über missglückte Versuche die Geige zu spielen: „Jeder streicht zu, versucht sein Glück / es ist zuletzt eine Katzenmusik.” Doch die Verbreitung dieses Begriffs als Mittel des politischen Protests, geht auch auf das sogenannte Katzenklavier zurück, das angeblich im 17. Jahrhundert existierte. In einen Kasten mit 14 Abteilen wurden 14 Katzen verschiedenen Alters so eingesperrt, dass ihre Schwänze herausschauten. Auf diesem „Klavier” waren vierzehn Tasten angebracht. Wer eine anschlug, stach damit einem Tier einen, an der Taste angebrachten Stachel, in den Schwanz. Wer eine „Melodie” spielte, rief die mannigfachen Schmerzenslaute der Katzen hervor. Dieses tierquälerische Instrument geriet glücklicherweise wieder in Vergessenheit. Nach der 1848er Revolution ließ auch der Brauch des politischen Spottliedes nach. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff dann häufig als Schimpfwort für neue „disharmonische” Musikrichtungen wie 12-Ton-Musik oder Jazz benutzt. Fazit: Ob eine Katzenmusik als gewaltsamer oder gewaltfreier Widerstand gilt, das liegt wohl in den Ohren des Zuhörers.

Von:Fuchser, Edelfeder

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